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Historie


Gründung

Der Bauverein trägt den Namen eines bedeutenden Elbnebenarms im südlichen Hamburger Hafengebiet, des Reiherstiegs. Von dem wirtschaftlichen Aufschwung des Hamburger Hafens gegen Ende des 19. Jahrhunderts profitierte auch der Wilhelmsburger Hafenbetrieb. Die Kehrseite des Wirtschaftswachstums waren jedoch die entwürdigenden Wohnverhältnisse der Arbeiter, die in den Mietskasernen entlang des Reiherstiegs wohnten. Um dem sozialen Elend und der Wohnungsnot mit vereinten Kräften entgegenzutreten, gründeten rund 50 Arbeiter und unselbstständige Handwerker am 15. Dezember 1901 den Bauverein Reiherstieg, der am 22. Januar 1902 beim Amtsgericht Harburg in das Genossenschaftsregister eingetragen wurde.


Erste Bauvorhaben

Nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten wurde am 14. April 1904 der Grundstein zum ersten Häuserblock in der Fährstraße gelegt, der bis 1906 auf insgesamt 107 Wohnungen erweitert wurde. Erneute Finanzierungsschwierigkeiten, der 1. Weltkrieg und die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit verhinderten für die folgenden 22 Jahre weitere Neubauaktivitäten. Durch Langzeit-Spareinlagen konnte der Bauverein erfolgreich die eingezahlten Spareinlagen der Mitglieder vor der Inflation bewahren und damit bis zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1927 seine wirtschaftliche Lage stabilisieren. Seit Gründung der Weimarer Republik regierten die Sozialdemokraten die preußische Großstadt Harburg-Wilhelmsburg u.a. mit einer aktiven Wohnungspolitik. Diese ermöglichte die zweite Bauphase (1928-1929), in der über 260 Wohnungen im strengen, sachlichen Stil erbaut wurden. Durch die staatliche Wohnungsbauförderung und die Hauszinssteuer konnte man dem Motto der Wohnreform "helle und sonnige Wohnungen zu günstigen Preisen" nachkommen. Leider wurde die Zahl der Wohnungssuchenden nicht geringer und die Weltwirtschaftskrise 1929 beendete vorerst diese Bauphase. Eine weitgehende Zerstörung der inneren Struktur musste der Bauverein Reiherstieg zur Zeit des "Dritten Reiches" in Kauf nehmen. Im Zuge der Gleichschaltung wurden 1933 die bis dahin sozialdemokratisch orientierten Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder durch Nationalsozialisten ersetzt. 1938 wurde der Bauverein zur Fusion mit der wesentlich kleineren Baugenossenschaft Elbinsel gedrängt. Mit dem "Groß-Hamburg Gesetz" von 1937 verlor Harburg-Wilhelmsburg seine kommunale Unabhängigkeit und wurde ein Hamburger Stadtteil.


Zerstörung, Wiederaufbau und Bauboom

Die Luftangriffe im August 1944 beschädigten weite Teile des Wohnungsbestands. Die große Bereitschaft der Mitglieder zur Selbsthilfe und die staatlichen Fördermittel ermöglichten den raschen Wiederaufbau, der bereits Anfang der 50er-Jahre abgeschlossen werden konnte. Durch die große Wohnungsnachfrage wurde nun auch die Neubautätigkeit stark belebt. Während des Baubooms von 1950 bis 1960 baute der Bauverein Reiherstieg 571 Wohnungen im Gebiet um den Rüdemannweg in Wilhelmsburg, fünfmal soviel wie in den Jahren zuvor. Ein enormer Zuwachs an neuen Mitgliedern war die Folge.


Sturmflut

Am 17. Februar 1962 brach mit der Sturmflut eine Katastrophe über Wilhelmsburg herein, die für den Bauverein Reiherstieg verheerende Auswirkungen auf den Wohnungsbestand hatte. Doch durch die finanzielle Unterstützung der Hansestadt Hamburg konnte der Schaden innerhalb weniger Monate behoben werden. Weiterhin konzentrierte sich der Bauverein Reiherstieg auf die Neubauprojekte Bauwiesenstraße und Georg-Wilhelm-Straße in Wilhelmsburg. Aufgrund des knapper und teurer werdenden Baulands in Wilhelmsburg musste sich der Bauverein Reiherstieg in den 60er- und 70er-Jahren über seinen regionalen Bezug hinaus orientieren und beteiligte sich an Großwohnsiedlungen in Neugraben, Neuwiedenthal und Kirchdorf-Süd.


Modernisierung

Mitte der 70er-Jahre ging der Wohnungsneubau zurück. Die Modernisierung des Wohnungsbestands wurde nun dringliche Aufgabe, unterstützt durch zahlreiche staatliche Förderprogramme. Viele Wohnungen waren bis dahin noch mit Kohleherd oder Ofenheizung ausgestattet. Blockweise wurde der Wohnungsbestand mit neuen Bädern, Fenstern mit Isolierglas, Einbauküchen oder Nachtstromspeicherheizungen versehen. In den 80er- und 90er-Jahren wurde durch die Neubautätigkeit eine maßvolle Bestandserweiterung betrieben, das Hauptaugenmerk jedoch auf die qualitative Verbesserung des Wohnungsbestands gelegt. Nach über 110-jährigem Bestehen hat der Bauverein Reiherstieg heute knapp 1.500 Wohnungen anzubieten und zählt rund 1.700 Mitglieder.